Mit besserer Wahrnehmung zum Ziel: Die Feldenkrais-Methode

Viel Zeit wird darauf verwendet um im Training die Kraft, die Ausdauer, die Schnelligkeit und die vielen sportartspezifischen Anforderungen zu verbessern. Nicht nur dem Spitzensportler, sondern auch dem Freizeit- oder Gelegenheitssportler kommt als erstes etwas Derartiges in den Sinn, wenn er an Training denkt. Darüber hinaus ist der Horizont häufig bereits am Ende. Eine ganz entscheidende Sache wurde jedoch vergessen. Vom Kopf her sind die meisten Bewegungen die man macht schnell gespeichert und können irgendwo im Gehirn abgerufen werden. Nur die wenigsten Sportarten und noch weniger Trainingsmethoden fördern regelmäßig das Zusammenspiel zwischen Körper und Geist. Das ist eine äußerst kraftvolle Sache die hier rücksichtslos vergessen wird. Selbst für den Laien klingt es logisch, dass ein Körper der sich besser mit dem Gehirn vernetzt auch leistungsfähiger ist. Das Training der Wahrnehmung ist noch in den Kinderschuhen, doch es gibt bereits einige Methoden wie das Konzept Life Kinetik, welches großartige Erfolge bei den Anwendern verbuchen kann. Einfache Bewegungen wie Springen oder das Fangen eines Balls werden mit kognitiven Aufgaben verbunden. Zunächst sind das einfache Zuordnungen, doch die Steigerungsmöglichkeiten von denen das Trainingskonzept lebt, sind nahezu unendlich. Sowohl der Körper als auch das Gehirn werden auf eine besondere Art und Weise gefördert. Neue neuronale (Nerven-) Verbindungen entstehen und der gesamte Organismus profitiert. Ein völlig anderes Konzept für das Wahrnehmungstraining existiert schon erheblich länger. Die nach dem israelischen Judolehrer Moshé Feldenkrais benannte Feldenkrais-Methode hat ihre Wurzeln vor fast 100 Jahren und erfährt in den letzten Jahren eine Art Renaissance.

Bei Feldenkrais geht es laut dem leider bereits verstorbenen Begründer um Bewusstsein durch Bewegung. Keine menschliche Aktion ist alleine anzutreffen. Zu ihnen zählen Denken, Wahrnehmen und Bewegen. Sie sind alle Teile des Handelns, sagt Feldenkrais. Beim Bewegen setzen die unzähligen Feldenkrais-Übungen, die auch als Lektionen bekannt sind, an. Es werden zunächst meistens sehr einfache Bewegungen ausgeführt. Dazu zählen beispielsweise das Drehen des Kopfes oder das Kippen des Beckens im Liegen. Zusätzlich werden dem Anwender sehr viele Fragen gestellt, die verschiedenste mögliche Beobachtungen beschreiben. Ist der anvisierte Körperteil nach der Bewegung wärmer oder kälter als vorher? Liegt er anders auf dem Boden als zuvor? Ändert sich seine gefühlte Entfernung zur Körpermitte? und viele mehr. Die Fragen soll der Anwender für sich selbst vor seinem geistigen Auge beantworten und damit nach und nach ein besseres Bewusstsein für die Bewegung entwickeln. Es entsteht eine verbesserte Vernetzung zwischen Gehirn und Körper. Der Theorie nach fängt der Körper an seine Bewegung an bestehende Probleme gegebenenfalls anzupassen. An schmerzenden Stellen im Körper kann womöglich eine kleine Feinjustierung erfolgen. Der Körper lernt unter Umständen einen Weg mit dem er eine gereizte Muskelfaser entlasten kann indem umliegende Muskelfasern ihre Aufgabe übernehmen. Alternativ wird in einem Gelenk der Winkel um vielleicht einen Grad verändert und damit kann man im Besten Fall bereits sehr viel Stress von einem gezerrten Band oder einer gereizten Sehne nehmen. Wenn keine Verletzung und keine Schmerzen bestehen, hilft Feldenkrais vorzubeugen. Die Bewegungserfahrung steigt mit jeder Anwendung und der Körper kann kleine Überlastungsentscheidungen früher erkennen und passende kleine Veränderungen vornehmen.

Meine eigene Geschichte mit Feldenkrais begannt vor ungefähr fünf Jahren. Ein sehr guter Freund von mir, seinerseits Mediziner mit einem großen Hang zu jeder Form von Bewegung, hat diese Übungen regelmäßig aus rehabilitativem Grund durchgeführt. Teilweise machte er die Lektionen, die teilweise über eine Stunde gehen, fast jeden Tag. Auch seine Lektionen bestanden aus simplen Bewegungen mit ständiger Rückfrage zu verschiedensten Wahrnehmungen des Körpers. Ich war zunächst etwas verwundert, doch da ich zu dieser Zeit einige Probleme mit meinen Füßen und Sprunggelenken hatte und ohnehin immer sehr offen gegenüber Neuem war, habe ich mich dafür entschieden Feldenkrais auszuprobieren. Die Lektionen gefielen mir zunächst überhaupt nicht. Die Verbindung zum eigentlichen Ziel erschloss sich mir nicht und es war überhaupt nicht fordernd, sondern total langweilig. Ich gab aber nicht auf und versuchte mich mehr und mehr darauf zu konzentrieren. Nach einigen Tagen mit Feldenkrais beobachtete ich zwar keine Änderung was Langeweile anging, doch mein Gefühl für bestimmte Bewegungen wurde tatsächlich besser. Schmerzen, die sonst sehr häufig auftraten, waren plötzlich weg oder zumindest deutlich weniger intensiv. Jugendlichem Leichtsinn zu Folge legte ich die Übungen zunächst wieder ad acta und kam nur gelegentlich zu ihnen zurück. Es ging auf und ab. Ich habe den Lektionen immer wieder eine Chance gegeben, doch ich es dauerte eine Zeit bis ich mich endgültig damit angefreundet habe. Als motivierter Sportler will man immer Vollgas geben und entweder Erfolge oder Erschöpfung nach einem Training spüren. Beides wird bei Feldenkrais-Lektionen nicht bedient, wenn man sich nur oberflächlich daran bedient. Doch sobald man feinfühliger wird, merkt man schnell Unterschiede in seinem Körper zwischen dem Zustand vor und nach einer Lektion. Ein solcher Unterschied ist beim Feldenkrais immer ein Erfolg. Es bedeutet, dass man aufgrund einer Bewegung eine neue Wahrnehmung macht und das sind die Verbindungen auf die es ankommt. Seit einem Jahr mache ich regelmäßig Feldenkrais und habe in Folge damit begonnen Sportlern, die ich trainiere, ebenfalls diese Übungen nahezulegen. Die meisten reagierten zunächst ähnlich darauf wie ich selbst, doch meine Motivation diese großartige Methode weiter in ihre Trainingspläne einzubauen, blieb sehr hoch. Mit zunehmendem Verständnis von Bewegung und der zugehörigen Verknüpfung zum Gehirn, stieg auch ihre Freude und das Interesse an der alten Methode. Feldenkrais ist aus meiner Sicht für absolut jeden Menschen eine Erfahrung, die man über einen gewissen Zeitraum machen sollte.